「…」
So sieht es in japanischen Romanen oft aus, wenn eine Figur nicht weiß, was sie sagen soll, aber damit dennoch eine Emotion zum Ausdruck bringt. Die Auslassungspunkte, die im Deutschen bestenfalls ein zögerliches Schweigen, normalerweise aber einfach eben eine Auslassung anzeigen, werden dabei als Stilmittel benutzt. In einem Manga oder Anime würde man an dieser Stelle den*die schweigende*n Protagonisten*in einblenden und wüsste unmittelbar, was mit den fehlenden Worten gesagt werden soll.
Es ist jedoch äußerst unüblich, jenes Schweigen in deutschen Übersetzungen anzuwenden. Für gewöhnlich umschreiben wir die Emotion dabei, indem wir aus dem Kontext heraus erklären, welche Emotion gerade dargestellt werden soll. Das kann von „Er warf mir einen nachdenklichen Blick zu“ bis hin zu „Ihr Schweigen verriet mir alles, was ich wissen musste“ reichen und liegt dabei vollkommen in der Verantwortung des*der Übersetzers*in.
Dankenswerterweise lassen uns japanische Autor*innen jedoch nicht ausschließlich mit Dreipunkten allein. Die Anzahl der Punkte, zusätzliche Satzzeichen und Auslassungen an unüblichen Stellen geben uns gute Hinweise darauf, wie die Szene zu interpretieren ist. Das funktioniert auf eine seltsame Weise genauso gut wie eine textliche Umschreibung, wenn man dazu ein wenig die Fantasie spielen lässt.
Versucht es selbst: Wie fühlen sich folgende Elemente an?
「――!」
「…なんだと?」
「ぐふ……くっ……力が入らん……!」
Wer nun dachte: entsetztes Nachluftschnappen, misstrauisches Nachhaken und verstörtes Husten und Keuchen beim Ringen um Standfestigkeit (oder etwas in der Richtung zumindest), hat sich jede Menge Lesezeit gespart, um genau diese Beschreibungen auch anhand weniger Zeichen korrekt zu deuten.
Ich persönlich mag es allerdings, die Situation deskriptiv zu übersetzen, also zu versuchen, die Gefühle durch Worte greifbar zu machen, einfach nur, weil dies die Szenen noch etwas lebendiger macht als Auslassungszeichen. Faszinierend wird es für mich trotzdem bleiben, was ein paar Satzzeichen für Inhalt transportieren können, wenn sie so in den Kontext eingebettet werden, wie dies im Japanischen Usus ist.
